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Wasser & Wickel
Wasser
ist ein ausgezeichneter Wärmeleiter, der seine Temperatur an die
behandelte Körperregion rasch abgeben kann. Kneipp-Hydrotherapie
ist eine Therapie mit Temperaturreizen von kalt bis heiß. Kleine
Reize entfachen die Körperreaktion, größere Reize kräftigen
und fördern die körperlichen Reaktionsmuster – aber zu
große Reize schaden!
Die
Reaktion im Körper
Die Wassertemperatur reizt die Millionen Temperatursensoren der Haut.
Das Temperaturregelsystem, dessen Zentrale im Zwischenhirn (»Hypothalamus«)
liegt und von wo auch die Drüsen mit innerer Sekretion gesteuert
werden, wird angesprochen. Wenn die konstante Körperkerntemperatur
gestört werden könnte, werden Gegenmaßnahmen veranlasst.
Die Regelzentrale wird mobilisiert, die über das vegetativ-hormonale
System den Störfaktor wieder ausgleicht: vorerst kommt es zu Abwehrmechanismen,
die sich in den betroffenen Abschnitten des Rückenmarks abspielen
(»segmentale Reflexe«), die Gefäße werden zur Reizkompensation
mobilisiert. Das zeigt sich zum Beispiel bei einem kalten Guss durch Blässe
der Haut – die Gefäße werden eng gestellt, anschließend
kommt es zur reaktiven Rötung durch Erweiterung der Hautgefäße.
Von den Gefäßen wird daher eine Reaktionsfähigkeit erwartet.
Ganzheitliche
Wirkung
Über einzelne Körperregionen können auch fern liegende
Bereiche beeinflusst werden (»konsensuelle Reaktion«). Einzelanwendungen
bewirken den so genannten Immediateffekt, also einen unmittelbaren Effekt.
Reize gleicher Intensität werden bei täglicher Anwendung immer
schwächer beantwortet. Der Körper gewöhnt sich daran =
»physiologische Adaptation«. Daher ist eine allmähliche
Steigerung der Reize günstig. Akute Erkrankungen (z.B. eine akute
Halsentzündung oder ein akut rheumatisch entzündetes Gelenk)
verlangen kalte Anwendungen, chronische Probleme sollten eher warm behandelt
werden. In jedem Fall ist bei Behandlung von Erkrankungen der Arzt zu
fragen! Das Wohlbefinden des Patienten ist der absolute Parameter: so
sind z. B. ältere Menschen kälteempfindlicher als jüngere,
und mögen, wenn sie Kneippanwendungen nicht von jungen Jahren an
gewöhnt sind, manchmal kalte Anwendungen nicht gern. Die Wirkung
der Wasseranwendungen wird durch die anderen 4 Kneipp-Komponenten ergänzt
und in ihrer Wirkung gesteigert.
Reizstärke
und Reizantwort
Die Reizstärke wird von der Temperatur und der Ausdehnung des Reizes
und von der individuellen Reizantwort – unter anderem abhängig
von Lebensalter, vom Trainingszustand und von der Tageszeit – bestimmt.
Je weiter die Wassertemperatur nach unten (Kalt) und nach oben (heiß)
von der Körpertemperatur entfernt ist, je größer die Fläche
der behandelten Körperregion und je länger die Anwendungsdauer
ist, desto stärker ist der Reiz. Serielle Reize, täglich verabreicht,
mit allmählich steigender Intensität, bewirken einen Trainingseffekt.
Dadurch kommt es zu einer Normalisierung gestörter Funktionen, zu
einer Harmonisierung und Kräftigung, und zwar nicht nur zu einer
Beeinflussung der Temperaturregelung, sondern auch zur Normalisierung
anderer Regelsysteme wie Blutdruckregulationen, Regulation der Herztätigkeit
usw.
Die
wichtigsten Indikationen für Kneipp
Fast alle Erkrankungen können mit Kneipp-Wasseranwendungen positiv
beeinflusst werden, so z. B.: Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen
wie Bluthochdruck, niedriger Blutdruck, koronare Herzerkrankungen, Krampfadern,
Venenprobleme, Lymphstau, Durchblutungsstörungen. Vegetative Funktionsstörungen,
Erschöpfungszustände, funktionelle Organbeschwerden, nervöse
Störungen. Wechselbeschwerden. Kopfschmerzen und Migräne, Regelbeschwerden,
Verdauungsbeschwerden. Erkrankungen des Bewegungsapparates, Arthrosen,
weichteilrheumatische Beschwerden, Muskelverspannungen, Haltungsschäden,
Rückenschmerzen, verletzungsbedingte Schwellungen und Schmerzen.
Abwehrschwäche und eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Infektanfälligkeit,
verzögerte Rekonvaleszenz, Vitalitätsverlust. Zur Prävention
sind die Kneipp-Wasseranwendungen uneingeschränkt empfehlenswert.
Wann
darf man Kneipp nicht anwenden?
Gegenindikationen: Bei bestehenden Erkrankungen ist unbedingt immer der
Rat des behandelnden Arztes einzuholen, das gilt insbesondere bei Herz-Kreislauferkrankungen,
aber auch bei Krebserkrankungen. Durchblutungsstörungen verlangen
eine stadiengerechte ärztlich überwachte Behandlung! Gegenanzeigen
für Kneipp sind Psychosen, Anfallsleiden und bestehende Infektionskrankheiten,
sofern nicht mit dem behandelnden Arzt besprochen. Erkrankungen der Nieren
und Blase sind eine absolute Gegenindikation für kalte Anwendungen
an den Beinen, Venen- und Krampfadernprobleme sind eine absolute Gegenindikation
für alle warmen und heißen Anwendungen an den Beinen.
Wasser
in der Praxis
Kaltanwendungen nur auf warme Körperregionen!
Bei Kältegefühl vor einer Kaltanwendung durch Bewegung erwärmen.
Nach Kaltanwendungen Wasser abstreifen und eventuell durch Bewegung für
Wiedererwärmung sorgen, dann ankleiden oder ins Bett. Zu Hause darauf
achten, dass der Raum, in dem man die Kneippanwendungen ausführt
(z. B. Badezimmer bei Güssen und Bädern, Schlafzimmer bei Wickel,
Auflagen und Waschungen) gut warm ist und jede Zugluft vermieden wird.
Krank?
Arzt fragen!
Bei bestehenden Beschwerden ist vor Beginn immer eine diagnostische Abklärung
notwendig. Auch scheinbar unbedeutende Störungen können Vorboten
ernster Erkrankungen sein. Im Zweifelsfall immer den Arzt zu Rate ziehen.
Biologische
Rhythmen beachten
Die Tagestemperatur des Körperkerns ist um ca. 3.00 Uhr morgens am
tiefsten und um 15.00 Uhr nachmittags am höchsten – das muss
berücksichtigt werden. Kaltreize wirken vormittags stärker,
Warmreize am Nachmittag und abends. Unmittelbar nach dem Essen keine Kneippanwendungen
vornehmen – zumindest 30 Minuten warten. Auch nach großen
körperlichen Anstrengungen sollte man etwas Zeit vergehen lassen.
Güsse:
Der Wasserdruck ist wichtig
Für Güsse soll das Wasser nur mit sehr geringem Druck aus dem
Schlauch, der einen Durchmesser von ¾ Zoll aufweisen sollte, fließen.
Die normale Brause lässt am Körper keinen idealen Wassermantel
entstehen. Am besten verwendet man ein Gießrohr, das mit einem einfachen
Verschluss am Brauseschlauch angebracht werden kann. Gießrohrsets
erhält man im Sanitär-Fachhandel (z. B. von der Firma Grohe).
Der Druck soll so sein, dass der Wasserstrahl bei nach oben gerichtetem
Schlauch noch ca. 1 Handbreit nach oben geht und dann herunter fließt.
Vorteilhaft ist ein Lattenrost aus Kunststoff, so dass man bei Güssen
nicht im Wasser steht.
Nur
die zu behandelnde Körperregion entkleiden!
Entkleidet werden, vor allem bei kalten Anwendungen, nur die zu behandelnden
Körperregionen. Nach Warmanwendungen abtrocknen und ankleiden oder
ins Bett. Wechselanwendungen verstärken den Reiz. Der Temperatursprung
von warm auf kalt bestimmt die Stärke. Wechsel 2- bis 4-mal. Bei
schlechter Wiedererwärmung wird warm abgeschlossen, sonst kalt.
Serien-Behandlungen
sollen täglich erfolgen. Eine Anwendung am Morgen
und eine nachmittags oder abends sind zur Vorbeugung ausreichend. Durch
Wasserbehandlungen wird im Körper ein Rhythmus ausgelöst, der
erst nach etwa zwei Stunden abklingt. Daher nicht zwei oder mehrere Anwendungen
hintereinander durchführen. Die Technik der einzelnen Anwendungen
sollte in einem Kneipp Traditionshaus, in einer Kuranstalt oder in einem
der Seminare der Kneipp-Aktivclubs erlernt werden.
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